Christiane Ritter

ist eine Frau, die in den dreißiger Jahren mit ihrem Mann auf Spitzbergen überwintert hat. Sie hat darüber das Buch:

"Eine Frau erlebt die Polarnacht"

geschrieben, welches in sehr spannender Form die Fahrten und Abenteuer in Nordspitzbergen schildert. Das Buch ist mit sehr schönen Zeichnungen von der Autorin versehen (siehe links).

Helen van der Laan

hat als 19jährige Frau ebenso bei einem Pelzjäger den Winter 1992 auf Spitzbergen verbracht. Auch sie schildert ihre Erlebnisse, die jedoch durch ein ganz anderes persönliches Empfinden geprägt sind.

"Wo bleibt das Licht - Eine junge Frau überlebt den Winter im ewigen Eis"

Interessant ist, daß sich in beiden Büchern Beschreibungen derselben Insel finden, die sich trotz des großen Zeitraums zwischen den Besuchen sehr ähneln. Die Veränderungen in der Arktis finden eben sehr langsam statt.

Beschreibung bei Ritter (Seite 59 und 60)

Da liegt die kleine Insel Corspynthen im Fjord, die nur zeitweise durch einen schmalen Sandstreifen mit dem Festland verbunden ist. Die zierlichen auf der Insel nistenden Seeschwalben umfliegen kreischend unser Boot. Am Eingang einer großen, rotsandigen Lagune, in deren Sommerwasser sich unzählige weiße und schwarze Seevögel tummeln, gehen wir in einer idyllischen Bucht an Land....

Wir bleiben einige Tage auf der kleinen romantischen Insel mit der herrlichen Sicht. Auf dem roten Wüstensand wachsen kleine grellgelbe und grellila Blümchen, dazwischen liegen vermooste Renntiergeweihe und riesige Walwirbel, die im Laufe der Jahrhunderte porös und weiß geworden sind. Ein Grab liegt auf der Anhöhe der Insel und unter dem kleinen Holzkreuz ein verlassenes Eiderentennest.

Einer der verwegensten Jäger, dessen Taten fast schon mythisch unter den Heutigen weiterleben, liegt hier begraben. Er ist einmal von Kong-Karl-Land quer über das Meereis der Olgastraße allein gegangen bis hinüber nach Spitzbergen. Lange Zeit später starb er auf der kleinen Fjordinsel, wie man sich erzählt, mit einem Fluch auf den Lippen.

Beschreibung bei van der Laan (Seite 39 und 40)

An der Westseite der kleinen Insel <hier: Krosspynten>, direkt vor der Küste , liegen unzählige dieser sehr dicken Baumstämme. Wir suchen möglichst trocken Stämme aus, N sägt sie in transportable Stücke und ich schleppe sie zum Boot. Ein wenig von uns entfernt ragen die Spanten von etwas, das einmal ein Schiff gewesen sein muß, aus dem Sand. Wieder ein Stückchen weiter liegen die Reste einer Kajüte und kleine Fässer. Mehr ist nicht zusehen, aber das ganze übt eine magische Anziehungskraft aus. Was ist hier geschehen?
Nahe der felsigen Nordspitze der Insel liegt ein riesiger Walfischschädel am Strand, er reicht mir fast bis zur Schulter. Deutlich ist das Nasenbein zu sehen und die Höhle, in der der meterlange Knorpel saß.Die Knochen sind von der Sonne weiß gebleicht; sie fühlen sich rauh an. Aus der Nähe sehen die Knochen porös aus, mit zahllosen winzigen Löchlein, aber sie sind denoch steinhart. Wann hat dieser Walfisch hier gelebt? Vielleicht um 1596,als William Barents in seinem Versuch, einen nördlichen Seeweg nach Indien zu finden, als erster die spitzen Berggipfel im Westen sah?
Oder gehörte er zu denjenigen, die die Raubzüge überlebten? wer könnte das jetzt noch beantworten? Erfürchtig verabschiede ich mich von seinen Resten und widme mich wieder den Baumstämmen.